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Vom 14. bis 28. Mai 2016 fand ein Segeltörn im Westen Kanadas statt, durchgeführt von Segelwind.ch.

 

Nach dem langen Hinflug und der grossen Zeitverschiebung von 9 Stunden kamen wir am Samstagabend in Vancouver an und konnten einen ersten Eindruck dieser quirligen Grossstadt gewinnen.

Der Sonntag war für die Schiffsübernahme, die Instruktion und Sicherheitseinweisung sowie den Lebensmitteleinkauf für zwei Wochen reserviert. Die Stadt-Marina Granville Island liegt mitten im Zentrum von Vancouver. So entschlossen wir uns, nach der geleisteten Arbeit, die erst um 15.00 Uhr erledigt war, mit dem Auslaufen auf Montagmorgen früh zuzuwarten und nochmals „mittendrin“ die Grossstadtatmosphäre zu geniessen.

Das Segelschiff, welches wir gechartert haben, schlossen wir sofort in unser Herz. Eine kanadische Werft mit dem wunderschön klingenden Namen „Maple Leaf“ produzierte diese Segelyacht vor 40 Jahren. Doch trotz seines, für Charteryachten sehr hohen Alters, war es topfit und überdurchschnittlich ausgerüstet. So funktionierte die gesamte Elektronik und Schiffstechnik wie auch Sanitär- und Küchenanlagen dank ständigen Investitionen des Schiffseigners perfekt. Neben Funk-, Radar- und AIS-Sende-Empfänger waren brandneue Segel und ein erst kürzlich eingebauter neuer Motor inkl. Bugstrahler vorhanden. Für Durchfahrten bei niedrigem Wasserstand ist das Kielschwert aufholbar und der Tiefgang verringert sich damit vom 2.44m auf 1.52m, was im Tidengewässer sehr hilfreich ist.
Das Leben an Bord dieser Mittelcockpityacht war echt super. Dank Cockpitverglasung und Kuchenbude verbrachten wir die Zeit auch vor Anker mehrheitlich im Steuerstand. Unter Deck waren im Bug und im Heck je eine grosse Kabine mit Doppelbetten inkl. WC und Dusche eingebaut. Ein grosszügiger Wohnbereich mit bequemen Sitzmöglichkeiten sowie mit Oel-Ofen für warme und gemütliche Abende füllten den mittleren Teil des Schiffs aus. Des Smutjes Werkplatz war im Durchgang zur Heckkabine angebracht und mit allem ausgerüstet, was ein Bordkoch eben so braucht. Für den Bordmaschinisten war das Herzstück des Schiffsantriebes bei Windstille der Motorenraum. Ein Traum, dieser Raum! Begehbar, fast in Stehhöhe und alle Teile der Maschine gut erreichbar. Ein separater Generator für den Fall, dass der Strom ausgehen sollte, war ebenso vorhanden wie eine Batteriebank, die eben dieses verhinderte.

Nun hofften wir also, dass am Montagmorgen dieses schwimmende Prunkstück auch so segelt, wie es aussieht. Nach dem Einholen der Wettervorhersagen und Konsultieren des Tiden-/Strom-Atlas machten wir am Morgen die Leinen los und nahmen Kurs Richtung Westen. Schon nach kurzer Fahrt mussten wir unseren Kurs um 90° nach Norden korrigieren um im richtigen Winkel das Verkehrstrennungsgebiet der Grossschifffahrt nach Vancouver Harbour zu kreuzen. Als dieses Manöver erfolgreich gemeistert war, tuckerten wir mit Motorenunterstützung bei Windstille und stark bewölktem Himmel am Leuchtturm Point Atkinson und an Bowen Island vorbei der Festlandküste von British Columbia entlang.

Das ganze Seegebiet um Vancouver Island ist ein typisches Gezeitenrevier und in den Passagen können teilweise starke Strömungen von über 13 Knoten auftreten. Der Wasserstandsunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt selten mehr als 5 Meter. Trotzdem ist es ratsam, sich vor der Einfahrt in Ankerbereiche gut zu informieren, wo welche Unterwasserhindernisse bei Niedrigwasser gefährlich werden können.

Selbstverständlich haben unsere Tidenberechnungen gestimmt und wir konnten am Montagabend nach 39 Seemeilen Fahrt und der Durchfahrt durch die Welcome Passage bei Slak, also den Moment ohne Strömung, bei Niedrigwasser in die Ankerbucht Smuggler Cove einlaufen. Ein wahrhaft genialer Ort, noch dazu, wenn man das einzige Schiff in diesem gut geschützten Labyrinth aus Steinen, Tannenwäldern und Wasser ist.

Absolute Ruhe, kein Geschaukel, dafür ein Seehund, der uns aus sicherer Distanz begutachtete und ein Weisskopfseealder, der ruhig seine Kreise über uns drehte! Der Start in ein 14-tägiges Naturabenteuer war geglückt!

Nach einer ruhigen Nacht in traumhafter Umgebung und einem stärkenden Frühstück lösten wir die beiden Landleinen und holten den Anker auf. Nach Passieren der nur knapp 10 Meter breiten Ausfahrt aus der Ankerbucht, setzten wir die Segel und konnten mit raumem Wind bei leicht bewölktem Himmel dem Küstenverlauf nach Norden folgen. Nach ca. 13 Seemeilen unter Segeln rollten wir diese auf Höhe Kelly Island ein und steuerten die Ballet Bay zwischen Nelson Island und Hardy Island an. Auch hier fanden wir wieder einen herrlichen Ankerplatz. Wir waren dort die dritte Segelyacht, die Anker und Landleinen benutzte. Während draussen die Vögel zwitscherten und die Crew den Seehunden beim Luftholen zuschaute, wurde in der Pantry des Skippers "Backstube" eröffnet und für das Morgenbuffet zwei feine Butterzöpfe gebacken. Mit einer feinen Tasse Tee wurde der herrliche Abend im Cockpit ausgeklungen.

Der Mittwoch zeigte sich von seiner grauen Seite: Wolkenverhangen und kühl, dafür absolut windstill, was des Seglers Herz nicht zwingend höher schlage lässt. So starteten wir um 9.30 Uhr den Motor und tuckerten durch die Malaspina Strait und später durch die Thulin Passage. Nach der Umrundung der Malaspina Peninsula passierten wir einen grossen Felsen, der während Niedrigwasser trockenfällt und vielen Robben als Ausruheplatz dient. Wir berechneten den Ankunftszeitpunkt richtig; so konnten wir tatsächlich Seehunde aus nächster Nähe beobachten und für die letzten zwei Seemeilen gegen den kurz vor Niedrigwasser nur noch sehr schwachen Strom von einem Knoten durch den Malaspina Inlet die nächste wunderbare Ankerbucht Grace Harbour bei der Gifford Peninsula anlaufen. Dort genügte der Anker für sicheren Halt, Landleinen wurden nicht benötigt. Nur zwei andere Schiffe waren noch in Sichtweite. Nach 40 Seemeilen konnte endlich auch unser Motor ruhen.

Auch am Donnerstag war der Himmel 8/8 bewölkt und um den Mittag herum fiel auch etwas Regen. Dies minderte aber die Stimmung an Bord keineswegs. Voller Elan setzten wir kurz nach der Ausfahrt aus der Bucht die Segel, dies bei zwei Beauforts Wind! Nach einer knappen Stunde und einer einzigen versegelten Seemeile schlief der Wind dann ganz ein. Glatte See, kein Kräuseln, kein Lüftchen - der Motor half weiter. Nach 15 Seemeilen erreichten wir den nächsten wundervollen Ankerplatz, die Melanie Cove, Prideaux Haven. Ein Ort wie aus dem Bilderbuch; wie ein glasklarer Bergsee, umgeben von mit Moos überwachsenem Tannenwald bis an die Wassergrenze. Und wieder die totale Stille, so ruhig, dass man sein eigenes Blut in den Ohren rauschen hörte! Einfach genial. Wie fast jeden Abend liessen wir unser Beiboot zu Wasser und anstelle des lauten Aussenborders (brandneu, mit Camping-Gas-Kartuschen zu betreiben, aber wir nutzten diesen kein einziges Mal!) kamen die neuen Holzriemen zum Zuge. Das tägliche Fitnesstraining des Skippers halt. Kaum an Land, begann die Crew, jeden Wanderweg in der Umgebung abzulaufen. Auf samtweichem Moorboden durch den Regenwald zu spazieren war für Augen, Ohren und die Lunge eine Wohltat, die totale Erholung für Körper, Geist und Seele! Bei diesem Ambiente war auch die erholsame Nachtruhe garantiert.

Es wurde Freitag, schon um 4 Uhr begannen die Vögel zu zwitschern und um 5 Uhr stand die Sonne auf! Wir taten dies auch, etwa drei Stunden später ;-)! Nach dem üblichen Kraft spendenden Frühstück, mit frisch gebackenem Zopf, wintschten wir den Anker aus dem gut haltenden Schlick und verliessen die sehr ruhige Bleibe mit dem Ziel Teakerne Arm, unweit auf der anderen Seite des Desolation Sounds. Diese paar Seemeilen wären segelnd in zwei Stunden zu schaffen, hätte es genügend Wind. Die Sonne schien vom nur leicht bewölkten Himmel, doch kein Lüftchen war zu spüren. Mit „Dieselwind“ setzten wir Kurs Richtung Nord in den Waddington Channel und beim Durham Point bogen wir nach Nord-Nord-Ost in den Pendrell Sound ein. Ganz am Ende dieses rund sechs Seemeilen in die East Redonda Island einschneidenden Fjords stellten wir den Motor ab und liessen uns ohne zu Ankern über eine Stunde treiben. Totenstille, aber trotzdem voller Leben: Einige Seehunde nahmen von unserer Anwesenheit Kenntnis und tauchten wieder ab. Dall’s, eine Art Zwergdelfin, kreuzten unseren Weg. Weisskopfseealder kreisten lautlos über uns. Schwalben auf der Jagd nach Insekten umkreisten in atemberaubenden Flugmanövern ganz dicht unsere Köpfe und die Bordwand. Und wie toll; keine andere Menschenseele in dieser wundervollen Natur! Das sind unvergessliche Erlebnisse!

Wie wenn uns der Himmel etwas schenken wollte erblickten wir ein leichtes Kräuseln des Wassers in Richtung Süd und ein Hauch von Wind strich uns durchs Haar. Wir setzten die Segel und konnten einige Seemeilen mit leisem Vorwärtskommen geniessen. Am Südkap von West Redonda Island, durch den schmalen Kanal zwischen Martin Island hindurch, ging es noch segelnd, danach herrschte leider wieder Windstille, sodass wir die letzten Meilen nach Nordwest wieder die Maschine bemühen mussten. Nach dem Umrunden des Joyce Point eröffnete sich uns die riesige Bucht Teakerne Arm. Auf der Seekarte und in den Törnführern erkannten wir, dass es schwierig werden könnte, eine Ankermöglichkeit zu finden, bei der nicht hunderte von Metern Ankerkette gesteckt werden müssten. Bis ganz dicht ans Land waren die Wassertiefen 60-110 Meter! Als einziges Segelschiff in dieser grossartigen Natur fanden wir jedoch bald einen super Ankerplatz, bei welchem wir das Grundeisen bei 20 Meter Wassertiefe setzten konnten und zur Sicherheit mit zwei Landleinen ein Schwojen verhinderten, um nicht mit den dicht unter Wasser vorhandenen Felsen Bekanntschaft zu machen. Auf diese Art gesichert genossen wir ein feines Nachtessen an Bord und eine ruhige und erholsame Nacht.

Die Segel-Geschichte vom Samstag ist schnell erzählt: Windstille und wolkenloser Himmel. Also kein Segeln heute. Auch ist die Distanz zum nächsten Paradies war mit bloss sieben Seemeilen sehr überschaubar. Also Landleinen los, Anker auf im Teakerne Arm und mit Motorenhilfe westwärts, dann etwas nach Süden und um die Felsen in die Squirrel Cove auf Cortes Island. Dort war wieder grosszügig Platz zum Schwojen und so senkten wir den Anker in den gut haltenden Grund. Einmal mehr kam das Beiboot mit den Paddeln zum Einsatz und danach war eine grandiose Wanderung im Regenwald hinüber zum Von Donop Inlet zu bewältigen. Eindrücklich, wie sich die Natur selber regeneriert, wenn nicht der Mensch mit Kettensäge und Vollerntemaschinen dem Wald zu Leibe rückt. Warntafeln am Startpunkt des Wanderweges, die vor der Anwesenheit von Wölfen warnte, nahmen wir beeindruckt zur Kenntnis. Den Namen Squirrel Cove verdient diese Bucht wirklich. Hinter fast jedem Baum versteckt sich ein so kleines, niedliches Nagetier. Wölfe hingegen bekamen wir keine zu Gesicht. Zurück auf dem Schiff begann sich das Wasser zu kräuseln und nach Sonnenuntergang so gegen 21.30 Uhr konnten wir 3-4 Beaufort messen. Kein Grund, Ankerwache zu halten. Das Grundeisen mit 40 Metern Kette bei drei Metern Wassertiefe reichte perfekt! Irgendwann nach Mitternacht war für kurze Zeit Schluss mit Schlafen. Wolfsgeheul aus dem nahen Wald war überlaut zu vernehmen. Schauderhaft und wunderschön zugleich. Es gibt also doch Wölfe in diesem Wald. Was für eine beeindruckende Erfahrung!

Es wurde hell am Sonntag und der Wind war noch da! Nun sollte sich zeigen, ob der Skipper die Tiden- und Stromberechnungen beherrschte. Wir setzten die Segel vor der Cove und mussten die erste Zeit bei Südwind aufkreuzen um den abgesteckten Kurs nach Süden zu bewältigen. Der Strom in Richtung Süd mit zwei Knoten half uns dabei aber sehr. Am frühen Nachmittag umrundeten wir das Südkap von Cortes Island und passierten die Glockentonne südwestlich des auslaufenden Riffes. Schon beim leichten Seegang von nur 30 cm kamen wir uns vor wie in einer Bergkappelle auf offener See. Das Gebimmel war über fast eine Seemeile zu hören!
Bei einem Süd-Südwest-Wind von drei Beauforts konnten wir auf Raumwindkurs nun geradeaus nach Norden bis vor die Buchteinfahrt Gorge Harbour segeln. Nach dem Slak schob uns nun die Strömung mit 2-3 Knoten Richtung Norden. Kurz nach 15.00 Uhr konnten wir die Segel bergen und das Kielschwert aufholen, sodass uns auch ein Ankerplatz mit wenig Wassertiefe zur Verfügung stand. Wir fanden ein tolles Plätzchen am Südrand dieser grossen, zwei Seemeilen breiten Bucht mit zwei Inseln in deren Mitte. Am Westende der Bucht befindet sich eine kleine Marina. Zwar hat der Skipper per Funk den Wetterbericht für die nächsten Tage eingeholt, aber man verlässt sich als guter Seefahrer ja nie auf nur eine Quelle und ausserdem war das tägliche Oberarmtraining noch nicht erfüllt. Und so ruderten wir mit unserem Dinghy eine Seemeile zur Marina und danach wieder zurück, nur um dort den Wetterbericht im Schaukasten des Marina-Office zu lesen! Aber diese Fahrt lohnte sich! Denn ein sehr neugieriger und scheinbar zutraulicher Seehund begleitete uns in sicherem Abstand von 5-10 Metern während der ganzen Fahrt! Ein Spektakel der Sondergüte! Solche Erlebnisse sind es, die einem unvergesslich bleiben!

Anker lichten am Montag war gegen 9 Uhr bei teilweise bewölktem Himmel und 2-3 Beaufort Wind aus Nordwest. Unser Kurs unter Segel lag an bei 170 Grad und zwei Knoten Strom nach Süd. Perfekt um die Segel auf Raumschot zu trimmen. Leider fehlte uns ein Gennakersegel, sonst wäre der Spassfaktor noch viel grösser gewesen. Aber auch mit Grosssegel und Genua unter der Segelstellung „Butterfly“ ging es gut vorwärts. Nach dem Mittag verdichtete sich das Wolkenbild und damit stellte sich auch Flaute ein. So musste abermals die Maschine den Rest der geplanten Wegstrecke nach Sturt Bay auf der Insel Texada erledigen. Just bei Niedrigwasser bogen wir in diese Bucht ein und liessen den Anker ausrauschen. Nach dem Nachtessen und einem kleinen Ruderakt mit dem Beiboot gelang auch noch ein kurzer Spaziergang an Land, bevor eine wiederum sehr ruhige Nacht ohne Ankerwache genossen werden konnte.

Am Dienstag verwehrte uns der wolkenverhangene Himmel jeden Blick auf die Sonne. Auch der Wind wollte nie so richtig aufkommen. Mit 2-3 Knoten Geschwindigkeit kamen wir nur schleppend voran. Am frühen Nachmittag stellte einmal mehr der Wind ganz ab. Die Wasseroberfläche war spiegelglatt, kein Kräuseln, keine Anzeichen auf Wind. Die geplante Distanz zum nächsten Ankerplatz war aber unwesentlich mit nur 24 Seemeilen, davon konnten wir immerhin sieben Seemeilen unter Segeln zurücklegen. Mit der Einfahrt in die, von Untiefen gespickte, vielverzweigte Bucht Pender Harbour kam die Sonne zum Vorschein. In der Garden Bay versenkten wir das Grundeisen mit reichlich Kette im perfekt haltenden Grund. Seehunde beobachteten unser Tun neugierig. Wieder stand etwas Bewegung auf dem Programm. Rudern und danach Wandern durch den Regenwald sowie die Tierwelt erfreuten uns auch an diesem herrlich sonnigen Abend. Ein wahrer Genuss!

„Sun an Cloud, High 22, Low 13, Wind NW 5-10 Knots“. So die Wettervorhersage am VHF-Seefunk. Und es kam genau so. Die Sonne weckte uns und ganz leichter Wind bewog uns abermals, die Segel zu hissen. Der Mittwoch war aber alles andere als ein Meilen-Sammel-Tag für Segelschein-Anwärter. Wir zogen es vor, mit dem schwachen Wind ganz gemächlich ein paar Buchten weiter zu gelangen. Weil uns auf dem Weg nach Norden die Smuggler Cove so gut gefallen hat, haben wir entschlossen, nochmals dort zu ankern. Nach nur elf Meilen und der Erkundung der Nachbarbucht Secret Cove, durchfuhren wir, jetzt wieder mit Motor, die enge, bei Niedrigwasser nur gerade fünf Meter breite Einfahrt in unsere Lieblingsbucht. Schon um 14.30 Uhr fiel der Anker und die beiden Landleinen waren festgemacht. Ganz alleine in dieser herrlichen Abgeschiedenheit erkannte uns wohl auch sofort wieder der Seehund in dieser Bucht. Wir konnten während den sechs Stunden bis zum Hochwasser genau zusehen, wie aus einer Steinlandschaft mit wenig Platz fürs Ankern eine riesige Seenlandschaft wurde, die trügerisch mit Unterwasserhindernissen für Segler und Motorbootfahrer aufwartet. Eindrücklich, was vier Meter Tidenhub ausmachen! Paddelnd mit dem Beiboot erkundeten wir die Natur um unseren Liegeplatz, immer mit der Fotokamera in Griffweite. Ein Weisskopfseeadler kreiste über uns, landete vor uns auf einer Tanne und bot ein perfektes Fotomotiv. Und nicht nur das; einige Meter weiter raschelte es im Unterholz. Wir trauten unseren Augen kaum, stand da ein Schwarzbär, keine 10 Meter entfernt von uns, am Ufer und wollte wohl nachschauen, wer da in sein Territorium eingebrochen ist. Unglaublich schöne Erinnerungen bleiben uns von dieser tollen Ankerbucht.

Der Donnerstag startet grau und kühl. Nach der Ausfahrt aus der Ankerbucht und der Durchfahrt durch die Welcome Passage mit 1-2 Knoten Schubhilfe durch den Tidenstrom setzten wir die Segel und kamen flott voran. Kurz vor Mittag begann es intensiv zu regnen, der Wind frischte auf und blies uns steif ins Gesicht, leider genau aus der Richtung, in die unser Kurs führte. Bei knappen zwei Seemeilen Sichtweite und einem Meter Seegang kreuzten wir einige Meilen auf. Aus heiterem Himmel stellte der Wind ab, nur der starke Regen und die Wellen blieben. Unter diesen Bedingungen setzten wir unsere Fahrt mit Motor fort. Radar und intensiver Ausguck waren bei dieser Wetterlage nötig, damit Fischerboote und andere Schiffe genug früh erkannt und auch die im Wasser treibenden Baumstämme, welche zu Tausenden in diesem Seegebiet zu finden sind, sicher ausgemacht und umschifft werden konnten. Unser Tagesziel erreichten wir nach 25 Seemeilen Fahrt am frühen Nachmittag. In der Plumper Cove, an der Südwestküste von Keats Island, gab es nach Angaben auf der Seekarte und im nautischen Reiseführer eine einigermassen gut geschützte Ankermöglichkeit. Eine Holzsägerei, mit knapp 100 schwimmenden Baumstämmen davor, war ebenfalls in dieser Bucht ansässig. Nach dem erfolgreichen Ankermanöver konnten wir erstaunt und erfreut feststellen, dass dutzende Robben die schwimmenden Baumstamm-Inseln zum Ausruhen benutzten. Was für ein Schauspiel, ihnen zuzusehen, wie sie mit Schwung auf diese Holzplattformen gelangten. Zwischen den alten Seehunden entdeckten wir auch ganz junge, kleine Robben. Nach einer kurzen Regenpause, in der wir versuchten, mit dem Beiboot etwas näher an die Tiere heranzukommen, ohne sie aus ihrer Ruhe zu bringen, verdichtete sich die Wolkendecke erneut. Eine heftige Gewitterfront zog über uns hinweg. Blitze und Donnergrollen in nächster Nähe liessen uns ehrfürchtig zum Himmel hinauf schauen. Nach dessen Durchzug konnte der Skipper erfreut feststellen, dass das Schiff noch immer genau an derselben Stelle stand, wo der Anker gesetzt wurde. Keine Sorge also für die kommende Nacht ohne Ankerwache.

Was für eine Freude, als wir am Freitag bei wolkenlosem Himmel an Deck Frühstücken konnten. Anker auf war um 8.50 Uhr. Die Keats Island wurde am Nordkap umsegelt und danach der Kurs an der Südküste von Bowen Island abgesteckt. Den Leutturm am Point Atkinson passierten wir mit nur 50 Metern Abstand bei eitlem Sonnenschein. Das Queren der Verkehrstrennungsgebiete der Grossschifffahrt von und nach Vancouver Harbour gelang meisterlich im 90°-Winkel zur Fahrstrasse. Hinter Tanker und Schleppverband durch, erreichten wir die Tankstelle vor Granville Island, wo die Dieseltanks aufgefüllt wurden. Nach erfolgreichem Hafenmanöver in der False Creek Marina auf Granville Island stiessen wir glücklich zum Ankertrunk an. Eine unvergessliche Segelreise in traumhafter, wildtierreicher und einsamer Natur wird uns immer in Erinnerung bleiben. Danke „Moppet“, Danke Kanada!

 

Ihr Skipper Daniel Meier

 


Einige Fotos vom Kanada Törn:

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